Willkommen bei Heide Bote
Suchen  
Navigation  

Teilzeit-/Minijob  
Achtung! Teilzeitpflegekräfte für den mobilen Einsatz als Seniorenbetreuer gesucht. Keine Pflege, keine Nachtdienst, kein Wochenenddienst, fester Kundenstamm. #Einsatzgebiet Meerbusch, Krefeld und Neuss. Telefon: 02151 94 99 774 www.lebensfluss-online.de

Online  
Aktuell 14 und 0 registrierte Benutzer online.

Anmeldung

  

Mindestens 200.000 Senioren leiden unter Gewalt in der Pflege!

verfasst von: redaktion am
Gesellschaft 
Erste Veranstaltung des Pflege-Selbsthilfeverbandes im Kreis Neuss

HB. Im voll besetztem Saal im Kontakt Erfttal startete der Pflege-Selbsthilfeverband seine Podiumsdiskussion mit hochkarätigen Fachleuten. Gastgeber der Erfttaler Veranstaltung und zweiter Vorsitzender des SHV Werner Schell, seit über 30 Jahren Dozent und Buchautor zum Thema Recht im Fachbereich Gesundheitswesen (Studiengang Pflegepädagogik) und Behindertenrecht (u.a. Betreuungsrecht) im Fachbereich Sozialwesen, eröffnete die Veranstaltung. Die erste Vorsitzende Adelheid von Stösser – auch sie anerkannte Fachfrau in der Pflege – Sieht einen Hauptgrund für die Probleme in der Pflege in unserem körperorientierten und leistungsbezogenen Gesundheitssystem, das die belohnt, die den Kranken kränker und den Schwachen schwächer machen.


Gleich der erste Referent – Buchautor Markus Breitscheidel – zieht in seinem Vortrag ein erschreckendes Resümee. Als ehemaliger Marketingfachmann ging er ein Jahre als Pfleger in die Einrichtungen. Er stellt fest, dass in der Pflege versucht wird Menschen nach dem Prinzip des Taylerismus (Refamethoden) zu katalogisieren. Dass dieses Prinzip in der Wirtschaft mittlerweile nur noch bei den einfachsten handwerklichen Tätigkeiten zum Zuge kommt, wird bei der Pflege schlichtweg ignoriert. Die Pflege im Sekundentakt nach Pflegepunkten wird minutiös gegliedert. Der Mensch bleibt dabei auf der Strecke.
Das System erzeugt Druck bei allen Beteiligten. Gestresste und unterbezahlte Pflegekräfte sind einerseits Opfer dieser Situation und andererseits selbst Gewalt ausübende Täter. Fixierungen, Zwangsernährung, Zwangsmedikamentation mit Psychopharmaka und Unterlassungen sind die schlimmsten Auswüchse dieses Systems. Nach der Veröffentlichung seines ersten Buches „Abgezockt und totgepflegt“ erhielt er 1500 Angst geprägte Briefe von betroffenen Pflegekräften, die seine Ausführungen bestätigten. Das die Angst begründet ist, zeigt das Schicksal von 65 Pflegekräften, die aufgrund von schlimmen Vorkommnissen in ihrem Heimen die staatliche Heimaufsicht einschalteten. Alle 65 Fachkräfte wurden entlassen und haben Probleme einen neuen Arbeitgeber zu finden.
Dass Menschlichkeit und Kommerz unter einem Hut zu bringen seien, führte Breitscheidel anhand eines Beispiels an. Ein neuer Heimleiter führte in einem heruntergekommenen Heim in der Personalführung neue Methoden ein. Mehr Personal, bessere Personalführung, Mitarbeiterschulungen und kleine Gratifikationen, wie z.B. ein Wellness-Wochenende für Mitarbeiter mit gleichzeitiger Betreuung der Kinder, führten das Heim zu hochwertiger Pflegearbeit. Gleichzeitig konnte trotzdem ein Gewinn erwirtschaftet werden.

Der Beitrag von Frau Merkwitz ist wohl inhaltlich der fundierteste zu dem Thema dieser Abendveranstaltung. Sie erklärte die typischen Ursachen von Gewalt und betonte die Notwendigkeit regelmäßiger Hilfen für die Helfer in Form von Teamsupervision oder Fallbesprechungen. Wenn wir die Pflegebasis stärken wollen, müssen wir dringend und vor allen Dingen die psychosoziale Kompetenz verbessern. Es ist das Hauptanliegen unseres Verbands, der am Körper orientierten Pflege entgegen zu wirken und die Beziehungspflege in den Fordergrund zu stellen. Darum auch unser Leitsatz: "Im Grunde sind es die Verbindungen mit dem Menschen, die dem Leben seinen Wert geben."

Frau Gabriele Zander-Schneider führte in ihrem Vortrag die Problematik von pflegenden Angehörigen auf, während Stefan Pygulla auf die Entstehung von Gewalt einging, die vielfach in einer Spirale sich verselbstständigt und unkontrollierbar wird.

Einen überzeugenden Neuansatz zeigte Christian Lasch auf. Als junger Mensch, Student der Gerontologie, wies auf auf sein Konzept hin, mit dem der Mensch, vornehmlich in den eigenen vier Wänden, wieder aktiviert werden soll. Mit jugendlichem Elan focht er gegen die Einwände von „Fachleuten“ aus dem Publikum, auch mit nicht fachlich qualifiziertem Personal die große Lücke im System zu schließen. Sein Motto: „Zeit ist Geld“ stimmt in der Pflege nicht, „Zeit ist Leben“.

Eine eingespielte Monitorsendung aus dem Jahre 2004 bewies, dass die Pflege krankt. Angemeldete Kontrollen (in allen Bundesländern außer in Bayern und Baden-Würtenberg) verpuffen wirkungslos, gleich einer angemeldeten Drogenkontrolle auf dem Düsseldorfer Hauptbahnhof. Eine Studie des MDS stellte fest: „90% werden angemessen gepflegt“. Im Umkehrschluss heißt dass: 10% aller Pflegebedürftigen sind unterversorgt, also Opfer von Gewalt in der Pflege. Bei ca. 2 Millionen pflegebedürftiger Menschen bundesweit sind das mehr als 200.000 Menschen, die tagtäglich Gewalt hilflos erdulden müssen. Die Dunkelziffer wurde erst gar nicht ermittelt. In Wahrheit sind es weitaus mehr.

In der abschließenden Diskussion mit dem Publikum wurde diese Veranstaltung vielfach positiv bewertet. Es gab nur sehr wenige Stimmen, die positives berichteten. Ein Fachmann für „Qualitätsmanagement in der Pflege“ sprach sich wiederholt für den Einsatz von gut ausgebildeten Fachkräften aus und wertete die „Nichtqualifizierten“ mehrfach ab. Nur ist es seltsam, dass auf dem Weg von der guten und qualifizierten Ausbildung, hin zum Einsatz am pflegebedürftigem Menschen, die Fachkräfte von einer Art kollektivem Wissensverlust leiden. Wie ist es sonst möglich, dass (fast) in der gesamten Pflege wissentlich alle pflegerischen und vor allem die menschlichen Grundsätze ignoriert werden.

Zum Abschluss der Satz eines Behinderten – ein Mediziner kurz vor dem Staatsexamen, durch Unfall 6 Monate im Koma, entmündigt, körperbehindert, aber voll im Besitz seiner geistigen Fähigkeiten – „Es gibt Menschen, die wollen mir helfen aber können nicht und es gibt Menschen die könnten mir helfen, aber die wollen nicht“! Kurze Zeit später nahm er sich das Leben.

Kurt Melcher


Mindestens 200.000 Senioren leiden unter Gewalt in der Pflege! | Anmelden bzw. neues Benutzerkonto einrichten | 0 Kommentare
Wir sind nicht verantwortlich für Kommentare unserer Benutzer
  
Werbung Online  
http://www.heide-bote.de

Seniorenbetreuung  
http://www.lebensfluss-online.de

Impressum  
4D-TEAM Melcher
Hochstadenstraße 60
47829 Krefeld

Umsatzsteuer-ID Nr.:
DE 811 856 943

Telefon:
02151 - 94 99 774

bei Fragen:
info@heide-bote.de

Artikel einreichen:
redaktion@heide-bote.de

Twitter:
Buchdrucker

Anmeldung  




 



Copyright © 2006 Heide Bote. Alle Rechte vorbehalten.
Optimale Darstellung mit allen gängigen Browsern.
Powered by 4D-Team

Allgemeine Nutzungsbedingungen | Datenschutzhinweis