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Umstellung zu G9

verfasst von: redaktion am
Politik 
Düsseldorf. Die Landesregierung beschloss heute die generelle Abkehr vom Abitur nach acht Jahren. Die Schulen in NRW sollen zurück zu G9 - und das macht eine erneute Reaktion der landesweiten Interessenvertretung der Schüler*innen notwendig:
Die LSV NRW spricht sich grundsätzlich gegen jede Form der Schulzeitverkürzung aus. Das bedeutet, dass G8 keine Option darstellt und G9 in diesem Zusammenhang die ausdrücklich bessere Alternative ist. Langfristig sollte das Ziel jedoch eine individuell anpassbare flexible Oberstufe sein.

Am 22. September wurden uns im Verbändegespräch gemeinsam mit Frau Ministerin Gebauer bereits einige Ausgestaltungen mitgeteilt. Bei dem Termin haben wir unter anderem dafür plädiert, die gesellschaftswissenschaftlichen Fächer über das bisherige Maß hinaus zu stärken und die zweite Fremdsprache nicht wie bisher in Jahrgangsstufe 6, sondern in Jahrgangsstufe 7 einsetzen zu lassen. Wir haben die Debatte mit konkreten Vorschlägen inhaltlich mitgestaltet und freuen uns, dass das Ministerium unser Anliegen ernst nimmt. In jedem Falle werden wir dazu nach der Bekanntgabe weiterer Details erneut Stellung beziehen und auf einzelne Eckpunkte aus Schüler*innensicht genauer eingehen.

Bezogen auf die Wochenstunden wünscht die LSV NRW keine Beeinträchtigung des Ganztages, der als Grundkonzept in einer modernen Gesellschaft unbedingt notwendig ist. Die Ausgestaltung des Ganztagskonzeptes lässt jedoch noch immer weitgehend zu wünschen übrig. Der Leistungsdruck ist insbesondere durch G8 immer weiter gewachsen und führt auch dazu, dass der Schulstoff immer weniger verinnerlicht werden kann. Die finanzielle Situation ist nicht haltbar, es werden mehr Sonderpädagog*innen und Lehrkräfte benötigt.

Die Wahlfreiheit sehen wir absolut kritisch und befürchten weitgehende Probleme, die dadurch entstehen. Die Einheitlichkeit des Bildungsgangs an Schulen kann Diskrepanzen vorbeugen, Wissensunterschiede ausgleichen und die persönliche Entfaltung jedes*r Schüler*in bedeutend fördern. Die Rivalitäten, die unter G8 und G9-Befürwortern entstehen könnten, bergen Risiken für die Schulgemeinschaft.

Im Gegensatz zur schulischen Wahlfreiheit steht die Wahlfreiheit der einzelnen Schüler*innen. Individuelle Förderung kann durch eine flexible Oberstufe gegeben werden. Die Verlängerung der Sekundarstufe I auf sechs Jahre ist unabhängig davon unbedingt notwendig.
Die flexible Oberstufe für jede*n Schüler*in soll mit einer Einführungsphase beginnen, die bei besonderen Leistungen übersprungen werden kann. Die Qualifikationsphase soll darauffolgend zwei bis drei Jahre betragen. Alle Lernenden brauchen spezielle Unterstützung und eben eine individuelle Schulzeit. Das ist von besonderer Wichtigkeit.

Das weitere Verfahren in den Schulen sollte möglichst schnell vonstatten gehen. Sowohl G9 als auch G8 müssen im Entscheidungsfall von allen am Schulleben Beteiligten mitgetragen werden. Daher ist transparente Arbeit in allen beteiligten Gremien notwendig. Die Lehrerkonferenz und die Schulpflegschaft sollen mit einbezogen werden, der Schüler*innenrat hat aber ebenfalls eine mindestens genauso hohe Priorität. Über die Köpfe der Schüler*innenschaft hinweg ist keine Entscheidung möglich.

Aus Sicht der LSV NRW ist es absolut nachvollziehbar, dass eine schnelle Positionierung der Schulen notwendig ist. Ohne inhaltliche Eckpunkte und genauere Verfahrensvorschläge ist es aber nicht möglich, eine endgültige Entscheidung zu treffen. Wir empfehlen also, die Gremien schon jetzt einzuberufen und möglichst schnell eine Tendenz verlauten zu lassen, welches System die einzelne Schule wahrscheinlich in den nächsten Jahren begleiten wird.
Wir appellieren an die Schulen: Beziehen Sie alle mit ein!

Luca Samlidis

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